Darstellung:
Auf einem in der Mitte des Brunnenbeckens aufragenden konusartigen Pfeiler aus Bronze steht die in etwa eineinhalbfach überlebensgroße Bronzestatue des römischen Gottes Neptun.
Die gekrönte Neptunstatue wirkt von Körperhaltung und Ausdruck her antikisierend.
Die Figur ist wie zufällig im Moment einer Bewegung festgehalten, was durch den schräg nach unten gerichtetem Dreizack geradezu dramatisch unterstrichen und inszeniert ist.
Den Mittelrisalit flankieren zwei Nereiden (Meeresreiter auf geflügelten Pferden mit Schwimmflossen) und zwei Nymphen mit Rudern.
Die Pferde erinnern in Bewegung, Körperhaltung und Kopfform stark an die Tritonenpferde des Trevi-Brunnen.
Die Nereiden und die Nymphen sind sehr unterschiedlich und mit sehr individuellen Gesichtsausdrücken gestaltet. Schweigger soll alle Figuren nach lebenden Vorbildern geformt haben.
Umringt wird das Ensemble von Gruppen auf einem Drachen reitender Putten, Delfinen und Seelöwen.
Geschichte:
1650, zwei Jahre nach Ende desDreißigjährigen Krieges und anlässlich des Abschlusses des Nürnberger Friedens, entstand der Plan, in zentraler Lage eine Brunnenplastik als Friedensdenkmal und Zeichen des Aufbruchs in eine neue hoffnungsvollere Zeit zu errichten.
Als Denkmal für den Nürnberger Frieden und als Mahnmal für den Dreißigjährigen Krieg beauftragte der römisch-deutsche Kaiser Ferdinand III. noch im selben Jahr die Errichtung des Friedensdenkmals in Nürnberg, das symbolträchtig aus eingeschmolzenen Kanonen gegossen werden sollte.
Als zeittypischer Architekturbrunnen auf dem Nürnberger Hauptmarkt sollte der Neptunbrunnen nicht nur an den Friedensschluss erinnern, sondern auch die Bedeutung der Stadt repräsentieren. In vielen italienischen Städten, aber auch in Salzburg und Augsburg waren bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg große Figurenbrunnen entstanden, die typologisch als Vorbild dienten.
Bis 1656 entwarfen beteiligten Künstler den Barockbrunnen. 1660 war ein ca. neun Meter hohes Modell fertiggestellt, nach dessen Vorbild die endgültigen Gussvorlagen entstanden. Nach Fertigstellung aller Gussteile fehlten der Reichsstadt Nürnberg die finanziellen Mittel, um den Brunnen aufzustellen und in Betrieb zu nehmen.
Der Brunnen wurde zunächst zwischengelagert. 1702, nach dem Tod von Jeremias Eißler, des letzten beteiligten Künstlers, wurde der Brunnen zusammengesetzt und provisorisch trocken aufgestellt. Zur Aufstellung auf dem Hauptmarkt kam es nicht.
1797 verkaufte die Stadt den Neptunbrunnen für heute umgerechnet etwa 500.000 Euro) an Zar Paul I., der ihn auf eigene Kosten nach Sankt Petersburg verschiffen und im Petershof in deutlich veränderter Komposition aufstellen ließ.
Der Kunsthistoriker Friedrich Wanderer warb 1881 für die „Rückgewinnung des Verlorenen“. 1895 verhandelte das kaiserliche Außenministerium über einen Rückkauf des Brunnens, den Zar Alexander III. ablehnte.
Mit Erlaubnis des russischen Zaren nahm der Gipsformer Ludwig Leichmann 1896 Abdrücke von den originalen Figuren in Peterhof.
Somit handelt es sich beim heutigen Neptunbrunnen um ein Replikation mittels Abguss.
Kommerzienrat Ludwig Gerngros übernahm als Mäzen die Kosten eines Zweitgusses und des Brunnenaufbaues unter der Auflage, dass der Brunnen an dem ursprünglich geplanten Standort, dem Hauptmarkt, aufgestellt wird.
Am 22. Oktober 1902 wurde der Brunnen etwas südlich der zentralen Fluchtlinie auf das Frauenkirchenportal als platzräumlicher Kontrapunkt zum 'Schönen Brunnen' eingeweiht.
Der Neptunbrunnen galt als herausragende Sehenswürdigkeit, die in den zeitgenössischen Nürnberg-Reiseführern verzeichnet war. Die hohe kunsthandwerkliche Qualität des Abgusses, der dem Original nicht nachsteht, wird auch heute noch gelobt.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde zunächst auf Veranlassung des fränkischen Gauleiters und Herausgebers der antisemitischen Hetzschrift Der Stürmer, Julius Streicher, die Stiftertafel entfernt (1933), denn Gerngros war Deutscher jüdischen Glaubens gewesen.
Der Brunnen (von den Nazis als „Judenbrunnen“ bezeichnet) behinderte die Aufmärsche und Kundgebungen zu den Reichsparteitagen die bis 1935 insbesondere auch noch auf dem Hauptmarkt stattfanden.
Nach anfänglichen Widerständen wurde der Brunnen auf Anweisung Adolf Hitlers im Sommer 1934 entfernt. 1937 wurde der Brunnen auf den Marienplatz (heute Willy-Brandt-Platz) außerhalb der Altstadt direkt vor das Gauhaus der NSDAP versetzt.
1960 wurde die Figurengruppe des Brunnens, der am damaligen Marienplatz (heutigen Willy-Brandt-Platz) der Verkehrsplanung im Wege stand, abgebaut und 1962 in ein vorhandenes Betonbecken im Stadtpark an den jetzigen Standort versetzt. Das originale Brunnenbecken wurde eingelagert.
Eine Rückversetzung des Brunnens an den ursprünglichen Standort am Hauptmarkt wurde immer wieder von verschiedenen Initiativen angestoßen, vom Nürnberger Stadtrat aber jedes Mal abgelehnt.
Die Widmung des Brunnens als Symbol für Frieden und Völkerverständigung ist weitgehend vergessen.
Quelle:
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/
wiki/Neptunbrunnen_(Nürnberg)
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